Alex | November 17, 2009 | Allgemeines, MVV-München, S-Bahn München SBahn München
Nachdem das Mammut-Projekt “Zweiter S-Bahn Tunnel” für München Realität wird, wollte der MVV-Blog einer Frage nach gehen, die wir vor einigen Tagen als Kommentar beim Merkur-online gelesen habe.
Vielleicht ist es unseren Lesern noch in Erinnerung, am Sonntag, den 8. November 2009, kam es zu einem nahezu „Komplettausfall“ der Münchner S-Bahn Stammstrecke. Grund war der Serverausfall im Stellwerk. Zu diesem Thema kam folgende Frage auf:
„Was passiert, wenn jetzt der zweite Tunnel und die herkömmliche Stammstrecke über das gleiche Stellwerk koordiniert werden?“
Wir fanden die Frage mehr als interessant. Es wäre eine Farce, Millionen in einen zweiten Tunnel zu investieren, und bei einem simplen Rechnerabsturz wäre keines der Probleme gelöst, die den Bau eines zweiten Tunnels rechtfertigen.
Um der doch sehr technischen Frage auf den Grund zu gehen, haben wir uns mit dem Service-Dialog der Bahn in Verbindung gesetzt. An dieser Stelle ein Lob an den Service-Dialog der S-Bahn und Bahn. Überaus freundlich wurden unsere Fragen beantwortet.
MVV-Blog:
Wenn die 2. Stammstrecke und der 2. Tunnel gebaut sind, wie erfolgt die Steuerung? Über das gleiche Rechenzentrum wie derzeit auch? Was passiert, wenn dieses ausfällt? Liegt dann die zweite Strecke auch lahm?
Antwort vom Service Dialog der Bahn:
„Nach unserem derzeitigen Planungsstand erfolgt die Steuerung der Leit- und Sicherungstechnik der Zweiten Stammstrecke aus einer eigenen, von der bisherigen Stammstrecke unabhängigen Unterzentrale eines elektronischen Stellwerks.“
An dieser Stelle ein “Danke” für die schnelle Antwort des Service-Dialogs der Bahn! Und wir wissen jetzt wenigstens ein bisschen mehr …
Was wir sonst aktuell noch zum Verkehrsprojekt MVV recherchieren: Immer wieder einmal war der Ausbau der U5 bis nach Pasing im Gespräch. Den letzten Sachstand, den wir zu diesem Projekt in Erfahrung bringen konnten ist, dass 2008 die Mittel beschlossen werden sollten. Ob sie das wurden, ob es aktuelle Planungen gibt oder wie der Sachstand an sich ist, recherchieren wir gerade. Wenn wir es wissen, schreiben wir es wie gewohnt an Ort und Stelle.
Tags: Bahn, Dialog, M, Mammut-Projekt, S-Bahn, Service, Service-Dialog, Stammstrecke, Stellwerk, Steuerung, Tunnel, U5, Verbindung, Zweiter S-Bahn-Tunnel
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November 17th, 2009 at 23:26
Das ganze ist zwar planungstechnisch richtig, muss aber die Freude darüber etwas dämpfen. Das ganze hat nämlich zwei Enden, wie die berühmte Wurst. Stellwerksbezirk West und Ost. Da wo sich die beiden Tunnelstrecken stellwerksseitig trennen, gibt es eben eine Schnittstelle. Das bedeutet, tritt dieser Fehler in einen dieser Stellwerke auf, stauen sich die S-Bahnen wie bisher auf den Aussenästen und an den Ein-/Ausfädelpunkten (Pasing/Leuchtebergring) geht nix mehr.
Das bedeutet wie bisher auf beiden (!) Stammstrecken ein vorzeitiges Wenden, soweit dies bei dieser Anlagenplanung überhaupt vorgesehen ist. Es wird ja immer der Öffentlichkeit vorgegaukelt, dass, wenn in einem Tunnel eine Störung auftritt, diese die andere nicht Stört. Das ist so überhaupt nicht richtig. Wenn auf den meisten Aussenästen ein 10 Minutentakt gefahren wird, ist keiner der Tunnel in der Lage, diesen Verkehr aufzunehmen, oder in den Wendebahnhöfen abzufangen. Es kommt zur Verstopfung und ggf. zum Zusammenbruch auf allen Strecken wie bisher auch. Somit müssen zusätzliche Wendeanlagen gebaut werden, die nach meinen Informationen bisher nicht vorgesehen sind und ggf. bautechnisch gar nicht umsetzbar ist, da nicht genügend Fläche für diese Anlagen vorhanden sind. Ich gehe davon aus, das die üblichen vorkommenden Störungen auf jeden Fall auf beide Tunnel übertragen werden.
Beim Südring wären diese Auswirkungen geringer, da hier die Möglickeit bestünde, einige S-Bahnen auf Aussenstrecken umzuleiten, um die Stammstrecken von den Fahrzeugen zu entlasten, da hier mehrer Abzweigstrecken und Regionalbahngleise genutzt werden können. Beim 2. Tunnel ist dies nicht möglich. Da geht nur noch ein Pendelverkehr, wenn nicht zuviele Fahrzuge auf der Strecke sind. Diese Störungsszenario wurde noch in keinem Gutachten (zumindest ist mir keine Bekannt) erörtert. Und schon gar nicht in der Öffentlichkeit! Und darum ging es doch zur Planung des 2. Tunnels, um den Störungsbetrieb. Und das soll jetzt nicht mal diskutiert werden?
Und wer garantiert denn, wenn die Baukosten expoldieren, das dieses Stellwerk nicht doch noch dem Rotstift zum Opfer fällt?
Genausowenig wurden die Wegezeiten beim Umsteigen berücksichtigt. Was hilft es mir eine schnelle S-Bahn, wenn ich z.B. am Ostbahnhof/Hauptbahnhof 10 Minuten zu Fuss durch die Ebenen laufen muss, um ein anderes Transportsystem zu erreichen? Da ist doch der ganze gewünschte Vorteil dahin. Da lohnt sich ein Umsteigen Fahrzeittechnisch eher nicht. Da nehme ich die “langsamere” S-Bahn und kann sitzen bleiben und/oder habe kürzere Umsteigewege.